GUT-Cert Infobrief Energie und Emissionshandel Nr. 13

Emissionshandel auf Reformkurs

Während die erste Handelsperiode im Emissionshandel sich bereits ihrem Zenit nähert, wird auf dem Klimagipfel in Nairobi über die Zukunft des Klimaregimes nach dem Auslaufen der ersten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls nach 2012 diskutiert. Doch bis es soweit ist und das „Kyoto-Plus“ manifestiert ist, sind zunächst für die ab 2008 beginnende zweite Handelsperiode die letzten Weichen zu stellen.

Emissionshandel geht in die zweite Runde
Grundlegende Weichenstellungen sind mit dem vom Bundeskabinett am 28.06.2006 beschlossenen Nationalen Allokationsplan 2008-2012 (NAP II) bereits erfolgt. Durch den NAP II sind die Emissionsziele für alle Sektoren (Energie und Industrie, Verkehr, Haushalte, Gewerbe/Handel/Dienstleistungen) festgelegt. Mit diesen Emissionszielen stellt die Bundesregierung die Einhaltung des deutschen Klimaschutzziels für 2008 - 2012 sicher (Minderung aller Treibhausgasemissionen um 21% gegenüber 1990).
Die Europäische Kommission wird voraussichtlich schon Ende November ihre Entscheidungen zu einigen der Nationalen Allokationspläne u.a. auch dem deutschen NAP II für die zweite Handelsperiode bekannt geben.
In der weiteren Vorbereitung auf die zweite Handelsperiode ist zudem eine Anpassung aller gesetzlichen Grundlagen im Emissionshandel erforderlich. Auch hierzu ist im Bundesumweltministerium bereits am 16.10.2006 ein Entwurf zur Änderung der Rechtsgrundlagen zum Emissionshandel für die Zuteilungsperiode 2008 bis 2012 vorgelegt worden. Eine Verbände-Anhörung zum Gesetzentwurf des ZuG 2012 dazu fand am 30.10.2006 statt. Derzeit ist insbesondere der §14 des Gesetzentwurfes in der Diskussion. Dieser besagt, dass die Regelungen für die Zeit von 2008 bis 2012 „einem zukünftigen Wechsel der Zuteilungsmethode nicht“ entgegenstehen. Hier besteht nach Auffassung der Energiewirtschaft aufgrund fehlender Planungssicherheit noch Änderungsbedarf.

Systemzuwachs
Detailschärfe bedarf es auch noch bei der Festlegung des Teilnehmerkreises, was insbesondere die neuen Teilnehmer am Emissionshandel ab 2008 betrifft. Das Bundesumweltministerium hatte dazu am 27.07.2006 bereits Informationen zu den Änderungen des Anwendungsbereichs des CO2-Emissionshandels in der zweiten Handelsperiode (2008-2012) veröffentlicht. Darin wurde die Definition der im NAP 2008-2012 unter Abschnitt 3.3 genannten zusätzlich zu erfassenden Anlagentypen mit relevanten CO2-Emissionsmengen zur Einbeziehung in den Anwendungsbereich des Emissionshandels, konkretisiert. Da die Zuteilungen für die zweite Handelsperiode für die emissionshandelspflichtigen Bestandsanlagen auf Basis der jahresdurchschnittlichen historischen Emissionen in den Jahren 2000-2005 für alte und neue Teilnehmer am Emissionshandel gleichermaßen erfolgt, hatte das BMU darauf gehofft, dass Newcomer auf freiwilliger Basis an der Datenerhebung nach DEV 2012 teilnehmen. Diesem Angebot scheinen aber aufgrund der unklaren Gesetzeslage nur einige Anlagenbetreiber gefolgt zu sein.

Auktion versus kostenlose Zuteilung
Eine Verzögerung erscheint sich durch die neu entflammte Diskussion über die Versteigerung von Emissionszertifikaten zu ergeben. Hintergrund der Diskussion ist das nach Art.10 Satz 2 der Emissionshandels-Richtlinie (2003/87/EG), es den EUMitgliedsstaaten in der zweiten Zuteilung gestattet ist, bis zu 10% der nationalen Allokation per Auktion zu versteigern. Die Nutzung dieser Möglichkeit war zwischenzeitlich verworfen worden, ist aber derzeit wieder in der politischen Diskussion.
Inzwischen fordern nicht nur die drei Oppositionsparteien die Versteigerung von 10% der auszugebenden Emissionsrechte in der zweiten Handelsperiode, sondern auch immer mehr die Regierungsfraktionen von CDU/CSU und SPD.

Reformprozess bekommt Flügel
Mit dem am 13. November, aufgrund der gewonnenen Erfahrungen, festgelegten Zeitplan zur Überarbeitung des EU-Emissionshandelssystems (EU-ETS), hat die Europäische Kommission deutlich gemacht, dass der Reformprozess für das Emissionshandelssystem im Bewegung ist. Das System soll wachsen, indem beispielsweise neue Sektoren und Gase mit einbezogen werden, um eine weltweite Anwendung zu fördern. Beispielsweise soll der Luftverkehr in den Emissionshandel einbezogen werden. Auch für den Ausstoß von Distickstoffmonoxid (N2O) aus der Ammoniakproduktion und für Methan aus dem Kohlebergbau, könnten, den Angaben zufolge, künftig Emissionsrechte nötig werden. Außerdem soll untersucht werden, wie kleinere Anlagen verpflichtet werden können zum Klimaschutz beizutragen. Ein weiteres Ziel der Überarbeitung ist es, Investoren mehr Planungssicherheit zu bieten und für eine einheitlichere Anwendung zu sorgen, indem die Art und Weise, in der das System in den einzelnen Mitgliedstaaten durchgeführt wird, stärker einander angeglichen wird. Diese und andere Fragen werden eingehend mit den Beteiligten erörtert, bevor die Kommission im zweiten Halbjahr 2007 Rechtsvorschriften zur Änderung der Richtlinie über ein System für den Handel mit Treibhausgasemissionszertifikaten vorschlagen wird. Die Änderungen treten dann im Jahr 2013 mit Beginn des dritten Handelszeitraums in Kraft.
Die im Schatten des Klimagipfels gewonnene Ernsthaftigkeit der Diskussion, die sich beispielsweise auch in dem viel diskutierten 700-Seiten-Report des ehemaligen Chefökonomen der Weltbank, Nicholas Stern, herauskristallisiert, zeigt dass schnelleres Handel im Klimaschutz geboten ist. Bleibt zu hoffen, dass nicht nur ehemalige Fernsehhelden wie Arnold Schwarzenegger das wachsende Emissionshandelssystem à la EU terminieren.

ZuG 2012-Entwurf sollte überarbeitet werden

Der Entwurf des Zuteilungsgesetzes 2012 (ZuG-E 2012) entspricht in einigen Punkten nicht den Vorgaben des Nationalen Allokationsplans für die zweite Handelsperiode (NAP II), so die Meinung von Frau Dr. Ines Zenke. Sie empfiehlt eine Überarbeitung mit Blick auf die Zuteilung nach Standardauslastungsfaktoren, die Härtefallregelung, Emissionswerten oder die Behandlung von Kapazitätserweiterungen. Gegenüber powernews.org erläuterte die auf Emissionshandelsfragen spezialisierte Anwältin der Kanzlei Becker, Büttner, Held ihre Standpunkte zu dem Gesetzesentwurf.
Siehe dazu: www.co2-handel.de/article160_3536.html
Quelle: www.co2-handel.de

Einigung über Gebäudeenergieausweise

(27.10.2006) Die Bundesregierung hat sich in den Beratungen über die zu novellierende Energiesparverordnung auf einen Kompromiss zu künftigen Gebäudeenergieausweisen geeinigt. Er sieht für einen erheblichen Teil der Bestandsgebäude Wahlfreiheit zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweisen vor. So kann für alle Wohngebäude, die nach 1978 errichtet wurden, zwischen beiden Ausweisarten uneingeschränkt gewählt werden. Für Gebäude mit bis zu vier Wohnungen, die vor 1978 und damit vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung errichtet wurden, ist ab dem 1. Januar 2008 die Erstellung eines Bedarfsausweises verpflichtend.
Quelle: www.bine.info

Aufstockung des Marktanreizprogramms für Erneuerbare Energien

Nach Beschluss des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages vom 09.11.2006 wird das Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien im Jahr 2007 um 39 Millionen Euro auf nunmehr 213 Millionen Euro aufgestockt. Mit dem erhöhten Fördervolumen soll nunmehr die Förderung von Solarkollektoren, Biomassekesseln und Geothermie-Anlagen ab Januar 2007 fortgeführt werden. Die Einzelheiten werden noch in diesem Jahr in einer neuen Richtlinie geregelt.
Quelle: www.bmu.de

Energieverbrauch legt leicht zu, Erneuerbare bleiben stabil

Der Energieverbrauch in Deutschland wird 2006 leicht ansteigen. Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) erwartet nach ersten vorläufigen Berechungen einen Zuwachs von gut 1 Prozent auf 493 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten (Mio. t SKE), das entspricht etwa 14.450 Petajoule (PJ). Am stärksten fällt der Zuwachs beim Erdgas mit einem Plus von rund 4 Prozent aus. Erdgas verzeichnete vor allem im ersten Quartal 2006 infolge der sehr niedrigen Temperaturen kräftige Zuwächse, die sich im Jahresverlauf abschwächten. Der Anteil des Erdgases am gesamten Primärenergieverbrauch in Deutschland steigt leicht auf über 23 Prozent. Auch das leichte Heizöl verbucht 2006 Absatzzuwächse in der Größenordnung von fast 6 Prozent. Dieser Entwicklung stehen jedoch Absatzrückgänge bei den Ottokraftstoffen und beim Rohbenzin für die chemische Industrie gegenüber. Der gesamte Verbrauch von Mineralölprodukten wird voraussichtlich auf dem Niveau des Vorjahres liegen. Mit einem Anteil von über 35 Prozent bleibt Mineralöl jedoch der mit Abstand wichtigste Energieträger.
Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen e.V.
Weitere Informationen: www.ag-energiebilanzen.de

World Energy Outlook 2006

Die Bedeutung der Erneuerbaren Energien wird bis zum Jahr 2030 rasant ansteigen. Zu diesem Ergebnis kommt die Internationale Energiebehörde (IEA) in ihrem am 7. November vorgestellten World Energy Outlook 2006.
Der Bericht kann unter: www.iea.org abgerufen werden.

Handelsergebnisse Oktober

Im Oktober wurden am EEX Spotmarkt für CO2-Emissionsrechte (EUA) 483.809 EUA (Vorjahresmonat: 250.773 EUA) gehandelt. Der Carbix (Carbon Index) schwankte im Laufe dieses Zeitraums zwischen 10,37 Euro/EUA und 12,75 Euro/ EUA. Am EEX Terminmarkt für CO2-Emissionsrechte betrug das Handelsvolumen 655.000 EUA. Am 31.10.2006 wurde der Preis für den Future 2006 mit 10,84 Euro/ EUA festgestellt, der Kontrakt für das Jahr 2008 lag bei 15,43 Euro/EUA.
Quelle: www.co2-handel.de

VKU-Vorschläge für weitere Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung /
Allein Stadtwerke haben 3,5 Mio. t CO2 eingespart

Die Stadtwerke können durch weitere Modernisierungen und den Zubau von KWKAnlagen zusätzliche CO2-Minderungspotentiale erschließen, um das von der Bundesregierung angestrebte Reduktionsziel 2010 zu erreichen“, erklärte VKUHauptgeschäftsführer Michael Schöneich anlässlich der Verabschiedung eines VKU-Eckpunktepapiers zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) in Bochum..
Weitere Informationen: www.vku.de

Die GUT Cert stellt sich vor
Mit 10 Umweltgutachtern als größte Umweltgutachterorganisation und zahlreichen Qualitätsauditoren auch in Ihrer Nähe.

Hervorgegangen aus einem seit 1986 erfolgreich tätigen Ingenieur- und Beratungsunternehmen für Betriebsorganisation und Umweltschutz, wurde der Zweig "Zertifizierung von Managementsystemen" 1997 verselbständigt. Inzwischen ist die GUT Cert eine 100%ig unabhängige Zertifizierungsstelle für Managementsysteme und Umweltgutachterorganisation. Wir haben Kunden in Europa und von Kanada bis nach China. Mit unseren 10 Umweltgutachtern und zahlreichen Qualitätsauditoren sind wir bundesweit vertreten und sichern die Nähe zu unseren Kunden.
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Überzeugen Sie sich von unserem umfassenden Dienstleistungsangebot: www.gut-cert.de/dienstleistungen

Veranstaltungen

CO2-Monitoring und Emissionsberichterstattung in der II. Handelsperiode

Treffen Sie die GUT Cert auf der CLEAN ENERGY POWER® am 24. und 25.01.2007 im ICC Berlin. Wir werden über das CO2-Monitoring aus der Sicht des Verifizierers berichten. Programm und Anmeldung finden Sie online unter:
www.energiemessen.de/index.htm?/CO2-Monitoring.ht

Weitere aktuelle Veranstaltungshinweise unter: www.iwr.de/termine IIhre Fragen beantworten wir gerne:
Photo Jochen Buser
Projektleiter
mail: jochen.buser@gut-cert.de
   Photo Matthias Elvert
Projektassistent
mail: matthias.elvert@gut-cert.de
fon: (030) 536062-42 o. -46 fax: (030) 536062-49 mail: emissionshandel@gut-cert.de Erscheinungsdatum: November 2006, nächste Ausgabe voraussichtlich Dezember 2006

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