FAQ Safety Culture Ladder

Warum Safety Culture Ladder?

Der Fokus der Safety Ladder liegt darauf, welche Einstellungen und Verhaltensweisen Mitarbeiter tatsächlich zeigen und auf "WARUM" Mitarbeiter dieses Verhalten zeigen. Die Safety Culture Ladder ergänzt die Sicherheits- und Gesundheitsschutzstandards DIN ISO 45001 und SCC, ohne sie vollständig zu ersetzen. SCL bedeutet dabei nicht zusätzliche Bürokratie durch weitere Dokumente, sondern die stetige Weiterentwicklung von sicherheitsbewusstem Handeln und Denken. SCL-Audits werden vornehmlich durch Interviews und Beobachtungen geführt.

Woher kommt SCL und wo geht der Weg hin?

Das Zertifizierungsprogramm Safety Culture Ladder wurde 2010 durch die Niederländische Bahn (ProRRail) entwickelt und bei dessen Aufragnehmern im Bereich des Schienenverkehrs angewandt. Nach und nach wurde die Safety Culture Ladder auch bei anderen Parteien angewandt.

2015 übernahm das Niederländische Normungsinstitut (NEN) die Verwaltung des Zertifizierungsprogramm Safety Culture Ladder und öffnete es für Unternehmen aller Branchen. Tennet hat sich dazu entschieden SCL bei Ausschreibungen als Auswahlkriterium anzuwenden. Seit November 2018 verpflichten Auftragnehmer von TenneT sich mit Annahme eines Auftrages, innerhalb von 18 Monaten eine Zertifizierung nach SCL nachzuweisen.

Tennet arbeitet eng mit NEN und anderen Übertragungsnetzbetreibern zusammen, um das Zertifizierungsprogramm Safety Culture Ladder auch in anderen Europäischen Ländern einzuführen und um es weiterzuentwickeln.

Was bringt mir SCL?

Safety Ladder fördert das Sicherheitsbewusstsein bei der Arbeit. Ziel ist es, Sicherheits- und Gesundheitsrisiken zu managen und riskante Arbeitssituationen zu vermeiden. Der Fokus der Safety Ladder liegt darauf, welche Einstellungen und Verhaltensweisen Mitarbeiter tatsächich zeigen und auf "WARUM" Mitarbeiter dieses Verhalten zeigen.

SCL bedeutet dabei nicht zusätzliche Bürokratie durch weitere Dokumente, sondern die stetige Weiterentwicklung von sicherheitsbewusstem Handeln und Denken.

Was sind die Unterschiede zu SCC?

Bei SCC liegt der Fokus auf "WIE", Ihre Sicherheit, Gesundheit und Umwelt (HSE) in der Fertigung geregelt werden muss. SCC ist praktisch eingerichtet. Grundsätzlich soll SCC sicherstellen, dass die Systeme von Auftraggebern und Auftragnehmern so kompatibel wie möglich sind. Daher wird dem Einsatz konkreter [organisatorischer] Ressourcen mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

Damit wird für den Kunden deutlich, was ein Unternehmen in der Fertigung zumindest organisiert hat. Im Gegensatz zu DIN ISO 45001 und der Safety Culture Ladder haben Unternehmen weniger Freiheit bei der Wahl ihrer eigenen [organisatorischen] Ressourcen.

Was sind die Unterschiede zu DIN ISO 45001 bzw. OHSAS?

Bei der DIN ISO 45001 bzw. OHSAS steht mehr "WAS" im Vordergrund: Es werden detaillierte Anforderungen an die verschiedenen Komponenten des Managementsystems für gesundes und sicheres Arbeiten (G&VW) gestellt. Unternehmen können dann selbst entscheiden, welche Ressourcen für ihre Umsetzung eingesetzt werden.

Auf der Grundlage von DIN ISO 45001 sind Unternehmen verpflichtet, einen vollständigen Verbesserungszyklus (Plan-Do-Check-Act) sowohl auf 'politischer' (strategischer) als auch auf operativer Ebene zu durchlaufen. Die kontinuierliche Verbesserung der Leistung ist zu dokumentieren

(Quelle: Veiligheidsladder“ der NEN)

Welche Kriterien werden geprüft?

Für jede Stufe wird definiert, was von Seiten des Unternehmens gegeben sein muss (Anforderungen), welche begleitenden Kriterien gehandhabt werden (Standard), wie diese Kriterien gewichtet werden (Bewertung) und worauf die unabhängigen Prüfer achten sollten (Richtlinie für Prüfer). Dabei werden sechs Perspektiven bzw. Unternehmensaspekte zugrunde gelegt. Diese sind wiederum in 18 Unternehmenscharakteristika unterteilt, denen jeweils ein Gewichtungsfaktor zugeordnet ist. Im Folgenden die sechs Unternehmensaspekte, die geprüft werden:

  1. Wie wichtig ist Sicherheit? Wer bzw. welche Stelle ist für (un)sicheres Arbeiten zuständig? Gibt es klare Vorschriften und werden diese eingehalten? Wir richtiges Verhalten vom Management angeregt und belohnt? Ist das Management ein gutes Vorbild? Wie sieht die Kommunikation zu Vorfällen aus? Sprechen Manager und Mitarbeiter einander in positiver Art und Weise auf unerwünschtes Verhalten an?
  2. Steht Sicherheit oben auf der Strategieagenda? Wie lautet das Leitbild? Ist Sicherheit fester Bestandteil des Managementzyklus? Werden regelmäßig Maßnahmen zum Arbeitsschutzbewusstsein geplant? Inwiefern werden Investitionen in Arbeitsschutzverhalten als gewinnbringender Faktor angesehen?
  3. Werden Vertragspartner auf der Grundlage ihres Verhaltens und ihrer Leistung im Bereich Arbeitsschutz ausgewählt? Wird das Thema Sicherheit bei der Beauftragung von Unterauftragnehmern berücksichtigt? Wie werden neue Mitarbeiter ausgewählt und eingewiesen? Ist Arbeitsschutzbewusstsein Teil der Kompetenzprofile? Werden die Mitarbeiter zur Teilnahme an Fortbildungsmaßnahmen angeregt? Spielen Sicherheitsfragen dabei eine Rolle? Verfügen die Arbeitsschutzbeauftragten über große Expertise und Kompetenz? Können sich die Arbeitsschutzbeauftragten unmittelbar an den Direktor des Unternehmens wenden?
  4. Wie groß ist das Arbeitsschutzbewusstsein und was wird zur Optimierung des Arbeitsschutzbewusstseins am Arbeitsplatz unternommen? Werden Vorschriften und Protokolle angewandt? Sind diese auf die Nutzer zugeschnitten? Werden die aus einer Untersuchung hervorgehenden Verbesserungsvereinbarungen immer umgesetzt?
  5. Wie steht es um die Meldekultur und wie wird mit Meldungen umgegangen? Wird der Arbeitsplatz regelmäßig Inspektionen unterzogen? Werden aus Vorfällen Lehren gezogen? Werden Änderungen aufgrund von Praxisvorfällen umgesetzt und evaluiert? Findet ausreichend Kommunikation und Evaluation statt?
  6. Werden spezielle Prüfungen zum Arbeitsschutzverhalten durchgeführt? Verwendet das Unternehmen Statistiken zur Verbesserung?

(Quelle: http://www.veiligheidsladder.org/de/)

Was bedeuten die jeweiligen Stufen?

  • Stufe 1
    Die Einstellung des Unternehmens lautet: „Bei uns gibt es keine Pannen und wir liefern gute Qualität. Weshalb sollten wir also Zeit für Präventionsmaßnahmen verschwenden?“ und „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“. Das Unternehmen investiert nicht bis kaum in Arbeitsschutzverhalten. Diese Einstellung ist nicht erwünscht und wird daher nicht belohnt.

  • Stufe 2
    Das Unternehmen tendiert dazu, Änderungen erst dann vorzunehmen, wenn Fehler aufgetreten sind. Die Reaktion basiert auf tief verankerten Mustern. Mitarbeiter neigen dazu, sich als Opfer einer Situation und nicht persönlich verantwortlich zu fühlen. „Aber was kann ich dafür?“ Änderungsverhalten ist oftmals spontan und kurzfristig. Dieses Verhalten wird als mittelmäßig positiv bewertet.

  • Stufe 3
    Das Unternehmen hat die für sich relevanten Sicherheitsvorschriften festgelegt. Dieser Ansatz wird jedoch nicht konsequent verfolgt, da zwar Verantwortung übernommen wird, dies jedoch oftmals von Eigeninteresse motiviert ist. „Was habe ich davon?“ Das Engagement für Sicherheit und die Einhaltung der Gesetze und Vorschriften ist vorwiegend die Aufgabe des (Senior) Managements. Es gibt ein Arbeitsschutzbewusstsein; dies wird positiv bewertet.

  • Stufe 4
    Sicherheit hat hohe Priorität und ist in den Betriebsprozessen des Unternehmens tief verankert. Es wird kontinuierlich in die Steigerung des Arbeitsschutzbewusstseins investiert und die Mitarbeiter werden dazu ermutigt, einander auf gefährliches Verhalten anzusprechen. Verbesserungen werden strukturell umgesetzt und evaluiert. Dieser Ansatz ist durch Proaktivität und Initiative geprägt. Arbeitsschutzbewusstsein wird als die Verantwortung jedes einzelnen angesehen: „Welchen Beitrag kann ich leisten?“ Diese Form des Verhaltens wird als sehr positiv bewertet.

  • Stufe 5
    Sicherheit ist in den Betriebsprozessen integriert und ein fester Bestandteil von Reflexionen und Evaluationen im Unternehmen und bei anderen Sektorparteien. Sicherheit ist im Denken und Verhalten aller Mitarbeiter fest verankert. Sicherheit ist wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit. Dieses Verhalten wird als sehr positiv bewertet.

Wie kann das Unternehmen eine höhere Stufe erreichen?

Ist das Unternehmen der Ansicht, dass es die Anforderungen einer höheren Stufe erfüllt, kann es eine neue Safety Culture Ladder-Prüfung bei einer SCL-ZB beantragen. Ein solcher Antrag kann jedoch frühestens sechs Monate nach Ausgabe des Zertifikats gestellt werden. Das Audit der Höherstufung entspricht dem Umfang einer Vollprüfung.

Aus SCL-Handbuch, Version 3.2, Abs. 5.9 Gültigkeit des Zertifikats

Was ist Self-Assessment Questionnaire (SAQ)?

SAQ ist eine Selbstbewertung des Unternehmens, um zu ermittteln, ob ein SCL Audit in der vorgesehenen Stufe sinnvoll ist, und zur Identifizierung von Lücken in dem Sicherheitsbewusstsein bei der Arbeit und Ableitung von Maßnahmen, um das vorgesehene Niveau zu erreichen.

Der standardisierte SAQ ist auf www.veiligheidsladder.org/de hinterlegt

Was ist SAQ+?

Ist ein Audit einer SCL-Zertifizierungsstelle auf Basis eines vom Unternehmen ausgefüllten SAQs. Der standardisierte SAQ ist auf www.veiligheidsladder.org/de hinterlegt.

Gibt es unangekündigte Arbeitsbesuche?

Während des (jährlichen) Audits zur (Re-)Zertifizierung auf Stufe 4 findet ein unangekündigter Arbeitsbesuch verpflichtend statt. Bei einem Audit der Stufe 3 ist ein unangekündigter Arbeitsbesuch möglich, sofern der Kunde dies wünscht.

Das Auditteam fragt an jedem Tag während des Audits nach, welche Arbeiten im Gange sind, und begibt sich dann (zusammen mit dem Auditverantwortlichen der zu auditierenden Organisation) zu einem unangekündigten Arbeitsbesuch an einen Arbeitsplatz. Für die Arbeitsbesuche können auch interne Arbeiten ausgewählt werden.

Aus Entscheidung Unangekündigte Arbeitsbesuche vom 20.09.2018

Wann erfolgt eine Herabstufung des Zertifikats?

Für die Erhaltung des Zertifikates ist der Nachweis über Erfüllung der SCL-Anforderungen erforderlich. Hierzu werden planmäßig zwei Überwachungsaudits im Abstand von einem Jahr durchgeführt.

Die Überwachungsaudits sollen dazu beitragen, die Sicherheitskultur zu stützen und weiter zu optimieren. Zur Aufrechterhaltung des Zertifikats muss alle drei Jahre ein Re-Audit erfolgen. Dabei wird die Sicherheitskultur wieder umfassend begutachtet. Erfüllt das Unternehmen die Anforderungen nicht (mehr), kann es innerhalb von 13 Wochen eine zusätzliche Prüfung durchführen lassen, um zu zeigen, dass bei der ersten Prüfung ein Bewertungsfehler unterlaufen ist und die Anforderungen doch erfüllt werden.

Im Rahmen der zusätzlichen Prüfung werden dann die Unternehmensaspekte überprüft, die angeblich falsch bewertet wurden. Ergibt die zweite Prüfung ebenfalls, dass das Unternehmen die Anforderungen nicht (mehr) erfüllt, verliert das Unternehmen seine Zertifizierung für Stufe N und wird. für eine niedrigere Stufe zertifiziert.

Aus SCL-Handbuch, Version 3.2, Abs. 5.9 Gültigkeit des Zertifikats

Welches Zeitfenster besteht für eine SCL-Prüfung?

Prüfverfahren dauern grundsätzlich nicht länger als 13 Wochen (1 Quartal). Wird eine Zertifizierungsprüfung nicht innerhalb von 13 Wochen abgeschlossen, ist die Prüfung ungültig und kann kein gültiges Zertifikat ausgegeben werden. Zur Ausgabe eines gültigen Zertifikats muss dann eine erneute Zertifizierungsprüfung durchgeführt werden.

Aus SCL-Handbuch, Version 3.2, Abs. 5.10 Prüfungsverfahren

Wie hoch sind die NEN-Zertifizierungsgebühren?

Die jährlichen NEN-Zertifizierungsgebühren werden wir direkt an Sie weiterleiten. Die Höhe ist der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen.

Dauer in Personentagen   Jährliche Gebühr in €
2 bis 3 505
4 bis 7 758
8 bis 9 1010
10 bis 14 1515
15 bis 19 2020
20 bis 24 2525
25 bis 29 3030
30 bis 34 3535
35 und mehr folgt obigem Fortschritt