ISO 53001 – Das kommende Nachhaltigkeitsmanagement nach den SDGs
Während die ursprünglich erwartete Veröffentlichung für Herbst 2025 angesetzt war, wird nun mit einer finalen Veröffentlichung im August 2026 gerechnet. Wir berichten über den aktuellen Stand der Normgebung.
Bereits in unserem Newsletter vom Oktober 2024 haben wir über die Entwicklung zur ISO 53001 berichtet. Seitdem hat die Norm einen weiteren Sprung gemacht – und gleichzeitig neue Herausforderungen offenbart.
Kostenfreie und kostenpflichtige Unterlagen
- Die englischsprachige Fassung der ISO 53001 soll nach aktuellem Stand kostenlos über die ISO Website zugänglich werden, der aktuelle DIS ist noch kostenpflichtig.
- Der begleitende Leitfaden ISO 53002 wird kostenpflichtig verfügbar sein. Dies deckt sich mit Marktbeobachtungen, wonach der erste Entwurf ISO/UNDP PAS ISO 53002 bereits 2024 veröffentlicht wurde und für Unternehmen eine relevante Vorbereitungshilfe darstellt.
Was macht die ISO 53001 besonders?
ISO 53001 wird der erste zertifizierbare ISO-Standard sein, der es Organisationen ermöglicht, ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeitsaspekte strukturiert entlang der Sustainable Development Goals (SDGs) zu steuern. Dies wurde bereits im Rahmen der bisherigen Entwürfe deutlich:
- Die Norm ist eng an den UNDP SDG Impact Standards ausgerichtet, die seit 2018 bestehen.
- Sie verbindet erstmals ein ISO-typisches Managementsystem mit der nachweisbaren Wirkung von Unternehmensentscheidungen auf Basis der SDGs.
Geplante ISO Veranstaltungen
Nach Veröffentlichung der Norm plant die ISO eine Reihe internationaler Informations- und Launch Events, um die neue Norm vorzustellen und Fragen zur Anwendung zu klären.
Herausforderungen laut Experten
Einige Experten sehen aktuell zwei wesentliche Hürden bei der Anwendung des künftigen Standards:
- HS Struktur vs. UNDP Inhalte: Zwar folgt die ISO 53001 formal der bekannten Harmonised Structure (HS) der ISO-Welt, wird jedoch inhaltlich stark von den UNDP SDG Impact Standards geprägt werden. Dies erschwert die Integration in bestehende Managementsysteme (z. B. ISO 9001, ISO 14001, ISO 45001), da die Begrifflichkeit und Logik nicht vollständig kompatibel sind.
- Anpassung an revidierte SDGs ab 2030: Die UN SDGs werden für die Zeit nach 2030 plangemäß überarbeitet, weshalb eine zeitnahe Revision der ISO 53001 bereits absehbar ist. Dies wiederum kann Anwender verunsichern und die Einführung hemmen.
Beobachtung des Marktes und der Akkreditierungsmöglichkeit
Wir werden die Entwicklungen weiterhin genau verfolgen. Sobald die DAkkS (möglicherweise) eine akkreditierte Zertifizierung zur ISO 53001 zulässt, werden wir die Prüfanforderungen auswerten und Sie darüber informieren.
Welche Alternativen gibt es bis zur Veröffentlichung?
Bis die ISO 53001 final vorliegt und zertifizierbar ist, empfehlen sich folgende erprobte Frameworks und Standards je nach Unternehmensgröße oder Anforderungen aus dem Tätigkeitsbereich:
- RS10 – Standard für Nachhaltigkeitsmanagement: RS10 ist ein vielfach genutztes Framework zur strukturierten Verankerung von Nachhaltigkeit in Organisationen, welches einen Aufbau auf integrierte ISO-Managementsysteme hin zu einem Nachhaltigkeitsmanagement darstellen kann. Das System ist zertifizierungsfähig.
- Nachhaltigkeitsberichte nach GRI (Global Reporting Initiative):
- International anerkannt
- Besonders geeignet für Unternehmen, die bereits berichtspflichtig sind
- Bietet eine robuste Datengrundlage für die spätere ISO 53001 Implementierung
- Eine externe Prüfung ist zwar keine Pflicht, bestätigt jedoch Stakeholdern nicht nur die Plausibilität der beschriebenen Kennzahlen, sondern auch die des dahinterstehenden Managementansatzes.
- VSME – Rahmenwerk für kleine und mittelständische Unternehmen: Als integriertes Mittelstandsmodell kann der VSME dabei helfen, erste Strukturen für ein SDG basiertes Nachhaltigkeitsmanagement aufzubauen. Zudem bietet VSME eine Grundlage zur Arbeit mit CSRD-pflichtigen Unternehmen und bereitet das eigene Unternehmen auf eine spätere Berichtspflicht bestens vor. Wie bei den GRI Standards bestehen hier keine Prüfpflichten. Eine freiwillige Prüfung wird jedoch von Anwendern, insbesondere bei Einsteigern erwünscht.
- We Impact: We Impact ist ein zertifizierbares Nachhaltigkeitsmanagementsystem, das Unternehmen unterstützt, Umwelt , Sozial und Governance-Aspekte (ESG) systematisch in ihre Organisation zu integrieren. Es basiert auf EMAS und erweitert dieses um soziale und Governance Aspekte sowie gesetzliche Anforderungen aus:
- CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive)
- LkSG (Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz)
We Impact eignet sich besonders für:
Ansprechperson
Haben Sie Fragen oder Hinweise zum Thema Nachhaltigkeitsmanagementsysteme und Nachhaltigkeitsberichte? Wenden Sie sich gerne an Sarah Stenzel und Yulia Felker.