Paris Agreement Crediting Mechanism (PACM) und der Kompensationsmarkt
Auf der Weltklimakonferenz in Belém wurde der lang erwartete Mechanismus zur Ausstellung und zum Handel von Emissionsgutschriften vorgestellt. Kann dieser neue Rahmen dem freiwilligen und regulierten Kompensationsmarkt wieder mehr Glaubwürdigkeit verleihen?
Was ist der Paris Agreement Crediting Mechanis (PACM)?
Der PACM basiert auf Artikel 6.4 des Pariser Abkommens. Er schafft einen internationalen Mechanismus zur Minderung von Treibhausgasemissionen und zur Förderung nachhaltiger Entwicklung.
Es ist der Nachfolger vom „Clean Development Mechanism“ (CDM), des Kyoto-Protokolls. Während der CDM vor allem Industrieländern ermöglichte, Emissionsminderungen in Entwicklungsländern zu finanzieren, verfolgt PACM einen breiteren, integrativeren Ansatz im Rahmen der nationalen Klimaziele aller Vertragsparteien. Im Rahmen des Mechanismus können öffentliche und private Akteure Emissionsminderungen oder -entfernungen generieren. Die daraus resultierenden Gutschriften werden als A6.4ERs (Article 6.4 Emission Reductions) bezeichnet.
Wie funktioniert der PACM?
Zunächst muss jedes Land seine im Rahmen des Paris Agreement festgelegten obligatorischen Klimaschutzpläne „Nationally Determined Contributions“ (NDCs) einreichen und alle fünf Jahre aktualisieren.
Der Ablauf der Vergabe der A6.4ERs gestaltet sich wie folgt:
- Projektentwicklung: Projektentwickler erstellen ein Project Design Document (PDD), das das Vorhaben, die angewandte Methodik sowie die erwarteten Emissionsminderungen beschreibt. Das Projekt muss mit den NDCs des Gastlandes vereinbar sein.
- Autorisierung durch das Gastland: Das Gastland prüft und autorisiert das Projekt. Dabei wird sichergestellt, dass die Emissionsminderungen ordnungsgemäß berücksichtigt werden und keine Doppelzählung erfolgt.
- Validierung: Eine akkreditierte „Designated Operational Entity“ (DOE) validiert das Projekt.
- Registrierung: Nach erfolgreicher Validierung wird das Projekt vom „Supervisory Body“ offiziell registriert.
- Überwachung und Verifizierung: Die tatsächliche Emissionsminderung wird regelmäßig überwacht und unabhängig überprüft.
- Ausgabe der Credits: Nach erfolgreicher Verifizierung werden die A6.4ERs ausgestellt und entsprechende buchhalterische Anpassungen („corresponding adjustments“) vorgenommen.
Die Ziele des Artikels 6.4 (PACM)
- Fördern der Minderung von Treibhausgasemissionen bei gleichzeitiger Förderung einer nachhaltigen Entwicklung (Paris Agreement, Article 6.a)
- Schaffen von Anreizen und Erleichterungen für die Beteiligung öffentlicher und privater Akteure an Emissionsminderungsmaßnahmen. (Paris Agreement, Article 6.b)
- Erreichen einer allgemeinen Verringerung der globalen Emissionen („Overall Mitigation in Global Emissions“, OMGE). (Paris Agreement, Article 6.c, 6.d)
Im Vergleich zum Clean Development Mechanism (CDM) bietet der Paris Agreement Crediting Mechanism (PACM) mehrere wesentliche Weiterentwicklungen. Entwicklungsländer können weiterhin als Gastländer fungieren und von internationalen Investitionen profitieren, während sie gleichzeitig ihre eigenen national festgelegten Beiträge (NDCs) umsetzen. Anders als beim CDM ist zudem eine Nettominderung der globalen Emissionen verbindlich vorgesehen, wodurch der Mechanismus stärker auf eine tatsächliche Reduktion der weltweiten Emissionen ausgerichtet ist. Darüber hinaus legt das PACM-System größeren Wert auf Integrität, Transparenz und robuste Buchhaltungsregeln, insbesondere zur Vermeidung von Doppelzählung. Die Anbindung an internationale Register erhöht zusätzlich die Nachvollziehbarkeit und erleichtert die Abwicklung von Transaktionen.
Thema Glaubwürdigkeit: Für Unternehmen ist der PACM daher mehr als nur ein neuer Mechanismus: Er schafft regulatorische Klarheit, stärkt die Glaubwürdigkeit von Emissionsgutschriften und reduziert Reputationsrisiken. Richtig eingesetzt, kann er Klimakompensation wieder zu einem verlässlichen Baustein ambitionierter Dekarbonisierungsstrategien machen.
Haben Sie Fragen oder Hinweise zum Thema oder zum Carbon Footprint? Wenden Sie sich gerne an Johanna Sitter. Seminare zu Klimamanagement und Carbon Footprint finden Sie hier.