Sicherheitsbeauftrage als Beitrag zur Compliance mit der ISO 45001

Durch das geplante „Bürokratientlastungsgesetz“ (BEG V) will die Bundesregierung ca. 123.000 Sicherheitsbeauftrage in Deutschland abschaffen. Dabei tragen diese teils entscheidend zu einem guten Arbeitsschutz und zur Erfüllung der Anforderungen der ISO 45001 bei.

Ende 2025 hat die Bundesregierung Eckpunkte zur Entlastung von Wirtschaft und Bürgern beschlossen. Dies betrifft u.a. auch den betrieblichen Arbeitsschutz, denn hier soll die Verpflichtung zur Bestellung von Sicherheitsbeauftragten aufgelockert werden, so dass künftig erst Betriebe ab 50 Mitarbeitenden in die Pflicht genommen werden. Aktuell gilt die Pflicht ab 20 Beschäftigten.

Was ist eigentlich die Rolle von Sicherheitsbeauftragen?

Sicherheitsbeauftragte (SiBe) sind betriebliche Ehrenamtliche ohne Führungsaufgaben, die die Geschäftsführenden unterstützen sollen.

Sie sind das Bindeglied zwischen Geschäftsführung und Mitarbeitenden. Sie gehen mit offenen Augen durch den Betrieb, sind operativ eingebunden und können so potenzielle Gefahren oft schneller erkennen und melden. Für Kolleginnen und Kollegen können sie erste Ansprechperson für Arbeitsschutzfragen sein und hier auch vermittelnd tätig werden. Sie nehmen am Arbeitssicherheitsausschuss teil und ggf. auch an Begehungen und Unterweisungen.

Da die Sicherheitsbeauftragten ehrenamtlich tätig sind, fällt für den Arbeitgeber kein finanzieller Zusatzaufwand an bei der Bestellung von Sicherheitsbeauftragen. Es ist empfehlenswert, dass die zukünftigen SiBe eine Schulung absolvieren, um sich ihren Aufgaben bewusst zu werden. Diese können aber in der Regel auch kostenfrei bei der jeweiligen Berufsgenossenschaft mit geringem Zeitaufwand getätigt werden.

Wie können Sicherheitsbeauftrage zur Erfüllung der Anforderungen der ISO 45001 beitragen?

Die ISO 45001 gibt vor, dass eine Organisation Rollen und Verantwortlichkeiten klar festlegt. SiBe sind ein zentrales Element, um diese Anforderung zu Erfüllen.

Normkapitel ISO 45001

Beitrag der SiBe

5.4 Konsultation und Beteiligung der Beschäftigten

SiBe fungieren als Bindeglied zwischen Belegschaft und Führung: Sie sammeln Hinweise, fördern den Dialog und unterstützen die geforderte Mitarbeiterbeteiligung.

6.1 Maßnahmen zum Umgang mit Risiken und Chancen

Sie erkennen Gefährdungen im Tagesgeschäft, melden diese und liefern Input für die Gefährdungsbeurteilung.

7.2 Kompetenz

SiBe besitzen arbeitsschutzspezifisches Wissen. Ihre Schulung dokumentiert die geforderte Kompetenzsicherung.

8.1 Betriebliche Planung und Steuerung

Sie helfen bei der Überwachung der Einhaltung von Schutzmaßnahmen, erinnern an sichere Verhaltensweisen und melden Abweichungen.

10.2 Vorfall, Nichtkonformität und Korrekturmaßnahmen

SiBe unterstützen Unfalluntersuchungen und die Ermittlung von Korrekturmaßnahmen.

Die Rückmeldungen der Sicherheitsbeauftragen können helfen, den PDCA-Zyklus der Norm einzuhalten.

Entbürokratisierung vs. Arbeitsschutz

SiBe müssen schriftlich bestellt und sollten geschult werden. So können gute SiBe einen wertvollen Beitrag zum betrieblichen Arbeitsschutz leisten und die Geschäftsführung unterstützen, ihren rechtlichen Pflichten nachzukommen. Auch wenn unnötige Bürokratie zu Recht kritisiert wird, scheint der Aufwand für die SiBe doch eher überschaubar. Auch darf man nicht vergessen, dass ein funktionierender Arbeitsschutz Pflicht in Unternehmen ist und ggf. Leben retten kann.

Auch kleinere Unternehmen sollten sich deswegen gut überlegen, ob sie das Potenzial der Sicherheitsbeauftragen wirklich reduzieren möchten.


Ansprechperson

Haben Sie Fragen oder Hinweise zum Thema SGA-MS? Wenden Sie sich gerne an Tamara Poguntke und Seán Oppermann.