KATE Umwelt & Entwicklung e.V. zum Thema „Managen von Klimarisiken und -folgen nach ISO 14090/91“

Angesichts des Klimawandels werden Anpassungsmaßnahmen für viele Unternehmen unverzichtbar, um erheblichen finanziellen Risiken vorzubeugen. Im Interview erläutert KATE Umwelt & Entwicklung e.V. die Bedeutung von ISO 14090/91 und deren Nutzen.

GUTcert: Wieso sollten Unternehmen eine Klimarisikoanalyse nach ISO 14090/91 durchführen?

KATE Umwelt & Entwicklung e.V.: Klimarisiken beeinflussen zunehmend Geschäftsmodelle, Lieferketten und Standorte.  Die ISO 14090/91 bietet einen systematischen, international anerkannten Rahmen zur Bewertung und Anpassung an Klimarisiken. Sie hilft, physische Risiken (z. B. Extremwetter, Hitze, Wasserknappheit) und transitorische Risiken (z. B. Regulierung, Marktveränderungen) zu identifizieren und unterstützt Unternehmen bei der strategischen Planung und Resilienzsteigerung. Mit der ISO 14090/91 wird die Anschlussfähigkeit an gesetzliche Anforderungen (z. B. CSRD, EU-Taxonomie, EnEfG) geschaffen. Sie fördert Transparenz und Nachvollziehbarkeit gegenüber Stakeholdern, Investoren und Aufsichtsbehörden und kann wirtschaftliche Schäden vermeiden helfen und die Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern.

GUTcert: Mit dem Amendment 1 ist das Thema Klimawandel bereits in viele ISO-Managementsysteme integriert. Lässt sich die Klimarisikoanalyse nach ISO 14090/91 in bestehendes Risikomanagement integrieren?

KATE Umwelt & Entwicklung e.V.: Die ISO 14090/91 folgt nicht der High-Level-Structure (HLS) anderer Managementsystemnormen (z. B. ISO 14001, 9001, 50001). Eine direkte Integration ist daher nicht vollständig strukturgleich, aber inhaltlich möglich und sinnvoll. Die Norm bietet eine Methodik zur Identifikation, Bewertung und Priorisierung von Klimarisiken, die sich in bestehende Risikoprozesse einbinden lässt. Die ISO 14090 ergänzt bestehende Managementsysteme, indem sie eine vertiefte Vorgehensweise bereitstellt – insbesondere für Impact- und Vulnerability-Analysen, die Betrachtung verschiedener Zeithorizonte und die systematische Anpassungsplanung. Die ISO 14001 bietet den übergeordneten Rahmen, um Klimarisiken als Teil der Umweltaspekte oder externen Einflussfaktoren zu adressieren; ISO 14090 liefert dafür die konkreten Analysetools. Die ISO 14090 ist eine Leitlinie, keine zertifizierbare Norm – sie dient der Orientierung und methodischen Vertiefung, nicht der formalen Auditierung. Eine Integration ist also fachlich gut möglich. Sie erfordert gezielte Schnittstellenarbeit und eine klare Verknüpfung mit vorhandenen Risikomanagementprozessen.

GUTcert: Ist die ISO 14090/14091 für Unternehmen verpflichtend?

KATE Umwelt & Entwicklung e.V.: Nein, es handelt sich um freiwillige Leitlinien, keine gesetzliche Pflicht. Die Anwendung der Normen hilft, diese Anforderungen methodisch fundiert zu erfüllen. Allerdings werden klimabezogene Risikoanalysen zunehmend regulatorisch gefordert (z. B. CSRD, ESG-Berichterstattung). Langfristig kann sich eine de-facto-Verpflichtung durch Marktstandards und Berichtsanforderungen ergeben.

GUTcert: Müssen sich Unternehmen nach der ISO 14090/91 zertifizieren lassen? Oder kann die Norm auch ohne Zertifizierung angewendet werden?

KATE Umwelt & Entwicklung e.V.: Es gibt keine Zertifizierung nach ISO 14090 oder 14091. Die Normen sind Leitlinien (Guidelines), keine Anforderungen im Sinne einer zertifizierbaren Norm oder eines Managementsystems. Unternehmen können die Methoden eigenständig oder mit externer Unterstützung anwenden. Die Ergebnisse können in Nachhaltigkeitsberichte, EMAS-/We-Impact-Prozesse oder Klimaanpassungskonzepte integriert werden. Eine Auditierung oder Validierung ist ggf. optional über andere Systeme (z. B. EMAS, ISO 14001) möglich.

GUTcert: Welche Tipps würden Sie Unternehmen geben, die sich erstmalig systematisch mit Klimaanpassung beschäftigen?

KATE Umwelt & Entwicklung e.V.: Eine Excel-Tabelle ist kein Klimarisikomanagement. Unternehmen, die gerade erst starten, sollten mit einem konkreten Standort – und vielleicht dort mit einem bestimmten Gebäude beginnen, um sich in den Ablauf der Bewertung und Maßnahmenableitung einzuarbeiten. Sobald ein für das Unternehmen passender Prozess inkl. der notwendigen Rollen und Verantwortlichkeiten klarer wird, kann dieser ausgerollt werden.

GUTcert: Wo tun sich Unternehmen besonders schwer bei der Umsetzung? Gibt es vermeidbare Fehler, die Ihnen in der Praxis immer wieder begegnen?

KATE Umwelt & Entwicklung e.V.: Sowohl transitorische als auch physische Risiken sind natürlich bedeutsam. Manchmal erleben wir jedoch, dass sich Unternehmen sehr stark auf die eher strategisch relevanten und oft auch weniger greifbaren transitorischen Risiken fokussieren und sich dort „verlieren“. Die besondere Stärke der 14090/91 liegt in der Möglichkeit, konkrete (physische) Risiken mit konkreten Maßnahmen zu beantworten – dann fällt oft auch die Umsetzung leichter.

Sie wollen Ihr Wissen zum Thema „Klimarisiken und -folgen nach ISO 14090/91“ vertiefen?

Eine tiefere Auseinandersetzung mit den umweltrelevanten Risiken ist einer der zentralen Punkte in der laufenden Revision ISO 14001:2026. Der Leitfaden ISO 14090/91 wird den Normanwenden die gewünschte Hilfestellung bieten.

Melden Sie sich gerne zu unserem Seminar Klimarisiken und -folgen systematisch managen nach ISO 14090/91 mit KATE Umwelt & Entwicklung e.V. an. Nächster Termin ist der 11.02.2026.

Haben Sie Fragen oder Hinweise zum Thema Klimarisiken und -folgen nach ISO 14090/91? Wenden Sie sich gerne an das Team Akademie.