Exzellenznetzwerk Energie- und Klimamanagement 2026: was sich bewegt – und was bleibt

Im Mittelpunkt: aktuelle Entwicklungen im Energierecht, Energiemanagement im KI-Zeitalter, internationale Perspektiven und die Frage, wie sich Energie- und Klimamanagement wirksam, praxisnah und zukunftsfähig gestalten lässt.

Bereits zum 19. Mal brachte das GUTcert Exzellenznetzwerk Energie- und Klimamanagement am 25. September 2026 Expertinnen und Experten aus Praxis, Politik und Wissenschaft zusammen. Hier für Sie ein kondensierter Überblick zu den Erkenntnissen aus acht spannenden Beiträgen.

Frankreich: Energieeffizienz als Teil der Energiestrategie
Der Blick nach Frankreich von unserem Kollegen Frédéric Saint-André (AFNOR) zeigte: Energieeffizienz wird dort eng mit Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Energieunabhängigkeit verknüpft. Die französische Strategie verbindet langfristige Klimaziele mit konkreten energiepolitischen Leitlinien.

  • Klimaneutralität 2050 bleibt das übergeordnete Ziel.
  • Die Energieplanung setzt auf Dekarbonisierung und Energieunabhängigkeit.
  • Energieeffizienz ist Teil einer integrierten Energie- und Klimastrategie.
  • Auch bei der Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie spielen ISO 50001 und Energieaudits eine wichtige Rolle.

Sicht des BAFA auf EnEfG & EDL-G: Neue Spielregeln für Unternehmen
Thomas Bannert vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gab einen Überblick über die Neuerungen im Energieeffizienzgesetz und Energiedienstleistungsgesetz. Besonders relevant: Die Anforderungen an Energieaudits und Managementsysteme werden neu justiert.

  • Anpassung des „Unternehmensbegriffs“, jetzt basierend auf durchschnittlichem Gesamtendenergieverbrauch
  • 2,77 GWh: Neuer Schwellenwert für die Energieauditpflicht nach EDL-G
  • 23,6 GWh: Schwellenwert für die Verpflichtung zu einem Energie- bzw. Umweltmanagementsystem
  • ISO 14001: Wird als zusätzliche Erfüllungsoption anerkannt
  • ISO 50001: Bleibt zentrale Möglichkeit, Energieeffizienz systematisch zu verbessern
  • Umsetzungspläne: Künftig grundsätzlich nur noch für Unternehmen mit Energieauditpflicht nach § 8 EDL-G

Aktuelles Energierecht: Die regulatorische Taktzahl bleibt hoch
Martin Dell, Rechtsanwalt der BBH-Gruppe gab einen kompakten Überblick über die aktuellen energiepolitischen und rechtlichen Entwicklungen. Neben der Novelle des EnEfG standen unter anderem Strom- und Energiesteuer, Brennstoffemissionshandel, das „European Grids Package“ und der Ausblick auf das EEG 2027 im Fokus.

  • EnEfG-Novelle: Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie und Bürokratieabbau bei gleichzeitiger Stärkung des Grundsatzes „Energieeffizienz an erster Stelle“
  • European Grids Package: Neue Impulse für Netzentgelte, intelligente Netze und Smart Meter
  • Viele Baustellen: Die regulatorische Landschaft bleibt dynamisch – Unternehmen sollten die Entwicklungen und ihre konkreten Auswirkungen im Blick behalten

Energieeffizienz: Mehr als Klimaschutz
Christian Noll, Geschäftsführender Vorstand der DENEFF machte deutlich: Energieeffizienz ist ein strategischer Faktor für Wirtschaft und Industrie – von Kosten und Wettbewerbsfähigkeit bis hin zu Versorgungssicherheit.

  • Effizienz senkt Kosten und reduziert langfristig Energie- und Importabhängigkeiten.
  • Das EnEfG setzt wichtige Impulse für Effizienzmaßnahmen in Unternehmen und weiteren Bereichen.
  • Entscheidend ist ein Bürokratieabbau ohne Wirkungsverlust.
  • Besonders die Prozesswärme rückt als großes Effizienzpotenzial stärker in den Fokus.
  • Energiemanagement bleibt dabei ein wesentlicher Hebel für Verbrauchs-, Kosten- und CO₂-Reduktion.

Energiemanagement im KI-Zeitalter
KI wird den Energiemanager nicht ersetzen – aber sie verändert den Arbeitsalltag: Tim Fischer der Limón GmbH verdeutlichte, was von einem Energiemanager im KI-Zeitalter erwartet werden kann. Der Vortrag zeigte die Entwicklung von klassischen Werkzeugen wie Excel hin zu KI-gestützten Prozessen und Entscheidungen.

  • Fachwissen + KI: Expertise wird durch neue Werkzeuge skalierbar.
  • Prozesse + KI: Routinen können stärker automatisiert werden.
  • Beratung + KI: Aus klassischer Expertenarbeit entstehen hybride Beratungsmodelle.
  • Die entscheidende Botschaft: KI ist kein Ersatz für Expertise, sondern ein Verstärker.

Paneldiskussion „einfach machen!“: Weniger Dokumentation, mehr Wirkung
In unserer ersten Paneldiskussion ging es für unsere Experten Dr. Nathanael Harfst, Georg Ratjen und Jochen Buser um die Frage, wie Energiemanagement einfacher und gleichzeitig wirksamer werden kann. Die zentrale Botschaft: Ein ISO-50001-System muss nicht kompliziert sein – entscheidend ist die Konzentration auf das, was die energiebezogene Leistung tatsächlich verbessert.

  • Schlank statt bürokratisch: Normanforderungen wirksam und praxisnah umsetzen
  • Konzentration auf das Wesentliche: Energieverbrauch und Energieeffizienz messen und überwachen
  • Neue Wege wagen: Auch etablierte Elemente eines Managementsystems dürfen neu gedacht werden
  • Energiekennzahlen: Veränderungen in den EnPIs sichtbar machen
  • Auditierung mit Augenmaß: Praxisrelevanz statt Formalismus

ISO 50001 im Klinikverbund: Vom Pflichtprogramm zur gelebten Praxis
Dipl.-Ing. Jan Voigt, des BG Klinikverbund zeigte, wie ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001 in einem komplexen Klinikverbund aufgebaut und umgesetzt werden kann. Besonders im Fokus: die Kombination aus zentraler Steuerung, dezentraler Verantwortung und systematischem Energiecontrolling.

  • Multisite-Ansatz: Zentrale Vorgaben treffen und dabei auf standortspezifische Umsetzung setzen
  • Klare Rollen: Kernteam und Energieteams teilen Verantwortlichkeiten  
  • Energiecontrolling: SEU, Messkonzept und Kennzahlen schaffen die Grundlage für gezielte Maßnahmen
  • Praxis zahlt sich aus: Die BG Kliniken konnten zwischen 2019 und 2025 ihren Energieverbrauch und CO₂-Ausstoß deutlich reduzieren

Paneldiskussion „Vom Energiemanagement zur Klimastrategie“
In unserer abschließenden Paneldiskussion mit unseren Energie- und Klimaexperten aus der Praxis: Eric Ahlers (Netze BW GmbH), Iris Grzybek (Vitra), Mara Mürlebach (beeline GmbH) und Franziska Weeger (Edel SE & Co. KGaA) wurde der Blick über das klassische Energiemanagement hinaus auf die Verknüpfung von Energie- und Klimamanagement gerichtet. Im Mittelpunkt standen dabei die Rolle und der Nutzen eines Klimamanagementsystems, das Einbinden relevanter Stakeholder sowie die Frage, wie Klimaziele, CO₂-Betrachtungen und Klimaschutzmaßnahmen systematisch in bestehende Managementstrukturen integriert werden können.

  • Gemeinsam denken: Energie- und Klimastrategien, Verantwortlichkeiten, Kennzahlen und Maßnahmen müssen zusammengedacht werden.
  • Wertschöpfungskette im Blick: Insbesondere indirekte Emissionen (Scope 3) stellen neue Anforderungen an Daten, Prozesse und Schnittstellen.
  • Strukturen nutzen: Bestehende Elemente des EnMS – etwa PDCA, interne Audits, Managementreview und Energieprogramme – bieten Anknüpfungspunkte für ein integriertes Klimamanagement.
  • Ganzheitlicher Ansatz: Neben Klimaschutz rücken auch Klimaanpassung und physische Klimarisiken stärker in den Fokus.

Unser Fazit
Die Beiträge des 19. Exzellenznetzwerks machen deutlich, dass sich Rahmenbedingungen ständig verändern – von EnEfG und EDL-G über KI bis zur praktischen Umsetzung der ISO 50001. Umso wichtiger wird ein Energiemanagement, das nicht nur Anforderungen erfüllt, sondern Unternehmen dabei unterstützt, Energieeffizienz messbar, wirksam und dauerhaft zu verbessern.

Wir freuen uns darauf, Sie im kommenden Jahr (wieder im September als Hybrid-Veranstaltung) bei uns auf dem 20. Exzellenznetzwerk Energie- und Klimamanagement 2027 zu begrüßen.

Haben Sie Fragen oder Hinweise zu unserer Veranstaltung? Wenden Sie sich gerne an unsere Akademie.