ISO 9001:2026 veröffentlicht – Übergangsfrist und Änderungen im Überblick
Die ISO 9001:2026 bringt neue Anforderungen für Qualitätsmanagementsysteme. Erfahren Sie mehr über Übergangsfrist, Änderungen und die nächsten Schritte für Ihr Unternehmen.
ISO 9001:2026 ist veröffentlicht
Nach mehr als zehn Jahren wurde die ISO 9001 überarbeitet. Am 16. September 2026 wurde die neue ISO 9001:2026 veröffentlicht, die die bisherige ISO 9001:2015 einschließlich der Ergänzung Amd 1:2024 ersetzt.
Mit der Veröffentlichung beginnt die dreijährige Übergangsphase. Für bereits nach ISO 9001:2015 zertifizierte Organisationen besteht daher kein unmittelbarer Handlungsdruck. Sie haben bis zum 30. September 2029 Zeit, auf die neue Norm umzustellen (Global ACI - TRANSITION REQUIREMENTS FOR ISO 9001:2026).
Unternehmen können die Änderungen in diesem Zeitraum bewerten, erforderliche Anpassungen an ihrem Qualitätsmanagementsystem vornehmen und die Umstellung gemeinsam mit ihrer Zertifizierungsstelle planen.
Drei Jahre Übergangszeit: Die wichtigsten Termine
Die Übergangsfrist umfasst mehrere wichtige Meilensteine – sowohl für Zertifizierungsstellen als auch für zertifizierte Unternehmen.
Seit 01.10.2026 – Verkürzte Laufzeit für Zertifikate nach ISO 9001:2015
- Erstzertifizierungs-, Rezertifizierungs- und Änderungszertifikate nach ISO 9001:2015 werden seit dem 1. Oktober 2026 nur noch mit einer Gültigkeit bis zum 30. September 2029 ausgestellt. Dieses Datum entspricht dem Ende der Übergangsfrist und dem Auslaufen der bisherigen Normversion.
30. Juni 2027 – Transition-Plan der Zertifizierungsstelle
- Bis zu diesem Termin müssen Zertifizierungsstellen ihren Transition-Plan und die erforderlichen Nachweise bei ihrer Akkreditierungsstelle einreichen. Wir bereiten die dafür notwendigen Unterlagen und Prozesse bereits vor.
30. September 2027 – Abschluss der Transition der Zertifizierungsstellen
- Bis zu diesem Datum müssen die Akkreditierungsstellen ihre Transition-Entscheidungen für die Zertifizierungsstellen abgeschlossen haben.
Ab Abschluss unserer Akkreditierungstransition – Zertifizierung nach ISO 9001:2026
- Sobald unsere Akkreditierungsstelle, die DAkkS, unsere Transition bestätigt hat, können wir akkreditierte Zertifizierungen nach ISO 9001:2026 ausstellen. Ein konkreter Termin steht derzeit noch nicht fest.
31. März 2028 – Stichtag für Zertifizierungsentscheidungen nach ISO 9001:2015
- Ab diesem Datum dürfen keine neuen Zertifikate mehr nach ISO 9001:2015 ausgestellt werden. Dies betrifft Erstzertifizierungen sowie Rezertifizierungs- und Änderungszertifikate. Erforderliche Transition-Audits und Zertifizierungsentscheidungen müssen also rechtzeitig geplant werden, damit Zertifikate ab diesem Stichtag nach ISO 9001:2026 ausgestellt werden können.
30. September 2029 – Ende der Übergangsfrist
- Bis spätestens zu diesem Datum müssen alle bestehenden Zertifizierungen nach ISO 9001:2015 auf ISO 9001:2026 umgestellt sein. Danach verlieren Zertifizierungen nach der bisherigen Norm ihre Gültigkeit.
- Nach erfolgreichem Abschluss des Transition-Audits und der entsprechenden Zertifizierungsentscheidung wird Ihre Zertifizierung auf ISO 9001:2026 umgestellt. Sie erhalten anschließend ein neues Zertifikat mit der regulären Zertifikatslaufzeit.
Wann können Unternehmen nach ISO 9001:2026 zertifiziert werden?
Der Zeitpunkt, ab dem die GUTcert akkreditierte Zertifizierungen nach ISO 9001:2026 ausstellen kann, hängt von der abgeschlossenen Transition ihrer Akkreditierung durch die DAkkS ab.
Wir arbeiten derzeit an unserem Transition-Plan und den erforderlichen Nachweisen. Nach Einreichung des Plans setzen wir die vorgesehenen Maßnahmen zur Umstellung unserer Prozesse um. Grundsätzlich können Transition-Audits nach ISO 9001:2026 bereits nach Einreichen der Unterlagen durchgeführt werden. Eine akkreditierte Zertifizierung nach der neuen Norm ist jedoch erst möglich, wenn die DAkkS unsere Transition bestätigt hat.
Für bereits zertifizierte Unternehmen kann das Transition-Audit mit einem regulären Überwachungs- oder Rezertifizierungsaudit verbunden oder als separates Audit durchgeführt werden. Die Umstellung muss einschließlich der Zertifizierungsentscheidung spätestens bis zum 30. September 2029 abgeschlossen sein.
Entsteht zusätzlicher Auditaufwand?
Die konkrete Festlegung des zusätzlichen Auditaufwands erfolgt durch jede Zertifizierungsstelle individuell im Rahmen ihrer jeweiligen Vorgehensweise.
Ob und in welchem Umfang zusätzlicher Auditaufwand für die Umstellung auf ISO 9001:2026 erforderlich ist, hängt insbesondere davon ab, ob die Transition im Rahmen eines regulären Audits oder durch ein separates Sonderaudit durchgeführt wird.
Für eine Rezertifizierung mit integrierter Transition gehen wir derzeit davon aus, dass keine zusätzliche Auditzeit erforderlich ist, da im Rahmen der Rezertifizierung ohnehin ein vollständiges Systemaudit durchgeführt wird.
Für die Transition im Rahmen eines Überwachungsaudits ist aktuell ein zusätzlicher Zeitansatz von 0,25 Personentagen (PT; 2 Stunden) vor Ort vorgesehen. Eine gesonderte Vor- und Nachbereitungszeit ist hierfür nicht eingeplant.
Wird die Transition im Rahmen eines separaten Sonderaudits durchgeführt, sind derzeit 0,5 PT vor Ort sowie 0,5 PT für die Vor- und Nachbereitung vorgesehen.
Die genannten Zeitansätze entsprechen unserem aktuellen Planungsstand. Änderungen sind noch möglich. Über die endgültige Vorgehensweise und die Auswirkungen auf die Auditplanung informieren wir unsere Kunden, sobald diese abschließend festgelegt ist.
Was müssen Unternehmen jetzt tun?
Auch wenn die Umstellung nicht sofort erfolgen muss, empfiehlt es sich, die Vorbereitung frühzeitig zu beginnen:
- Änderungen bewerten: Prüfen Sie, welche neuen bzw. geänderten Anforderungen für Ihr Qualitätsmanagementsystem relevant sind.
- Anpassungsbedarf ermitteln: Bewerten Sie, ob Prozesse, dokumentierte Informationen oder Zuständigkeiten angepasst werden müssen.
- Transition planen: Stimmen Sie den geeigneten Zeitpunkt für die Umstellung mit Ihrer Zertifizierungsstelle ab.
- Auditplanung berücksichtigen: Prüfen Sie, ob sich die Transition mit einem ohnehin anstehenden Überwachungs- oder Rezertifizierungsaudit verbinden lässt, und gehen Sie zur Auditplanung gerne direkt auf Ihren GUTcert-Kontakt zu.
Die ISO 9001:2026 bringt Änderungen mit sich, deren Auswirkungen je nach Organisation unterschiedlich ausfallen können. Frühzeitiges Auseinandersetzen mit der neuen Norm schafft Planungssicherheit und erleichtert eine geordnete Umstellung innerhalb der vorgesehenen Übergangsfrist.
Was ändert sich mit der ISO 9001:2026?
Die Revision stellt keine grundlegende Neuausrichtung der ISO 9001 dar. Die bestehende Struktur und der etablierte Ansatz des Qualitätsmanagements bleiben erhalten. Ziel der Überarbeitung ist es, Anforderungen klarer zu formulieren, ihre Anwendbarkeit zu verbessern und die Norm stärker an die aktuelle Harmonized Structure der ISO-Managementsystemnormen anzupassen.
Im Mittelpunkt stehen gezielte Ergänzungen und Präzisierungen, insbesondere zu Qualitätskultur und ethischem Verhalten, zum Umgang mit Risiken und Chancen sowie zum Änderungs- und Wissensmanagement. Auch die Terminologie und die Erläuterungen im normativen Umfeld wurden überarbeitet.
Für Unternehmen bietet die Veröffentlichung der neuen Norm einen guten Anlass, sich mit den Änderungen auseinanderzusetzen. Eine sofortige Umstellung ist jedoch nicht erforderlich. Die folgende Übersicht zeigt die wesentlichen Neuerungen gegenüber der ISO 9001:2015.
Neuerungen in der ISO 9001:2026
Abschnitt |
Bisher in ISO 9001:2025 |
Neu in ISO 9001:2026 |
|---|---|---|
4.1 Kontext der Organisation |
Relevante interne und externe Themen bestimmen. |
Klimawandel ist ausdrücklich als mögliches relevantes Thema zu berücksichtigen. Zudem werden politische und umweltbezogene Themen sowie strategische Ausrichtung und Ressourcen stärker hervorgehoben. |
4.2 Interessierte Parteien |
Relevante interessierte Parteien und ihre Anforderungen bestimmen. |
Es ist ausdrücklich festzulegen, welche ermittelten Anforderungen interessierter Parteien im QMS behandelt werden sollen. |
5.1.1 Führung und Verpflichtung |
Verantwortung der obersten Leitung für das QMS und die Förderung des prozessorientierten sowie risikobasierten Denkens. |
Die Förderung einer Qualitätskultur und ethischen Verhaltens wird ausdrücklich gefordert. Chancenbasiertes Denken wird als eigenständiger Aspekt ergänzt. |
5.2.1 Qualitätspolitik |
Die Qualitätspolitik muss zum Kontext der Organisation passen und deren strategische Ausrichtung unterstützen. |
Der Kontext der Organisation und die Unterstützung der strategischen Ausrichtung werden als eigenständige Anforderung ausdrücklich hervorgehoben. |
6.1 Risiken und Chancen |
Risiken und Chancen werden gemeinsam behandelt; Maßnahmen sind zu planen und umzusetzen. |
Risiken und Chancen erhalten eigene Unterabschnitte. Beide müssen ausdrücklich analysiert und bewertet werden – auch im Hinblick auf die Konformität von Produkten und Dienstleistungen sowie die Kundenzufriedenheit. |
6.3 Planung von Änderungen |
Änderungen am QMS sind geplant und kontrolliert durchzuführen. |
Die Planung wird um einen vollständigen Änderungsprozess ergänzt: Kommunikation der Änderungen, Überwachung und Bewertung ihrer Wirksamkeit sowie Überprüfung der Ergebnisse. |
7.1.6 Wissen der Organisation |
Erforderliches Wissen bestimmen, aufrechterhalten und verfügbar machen. |
Wissen muss zur Erreichung der beabsichtigten Ergebnisse des QMS ermittelt, aufbewahrt, angewendet und geteilt werden. Digitale Systeme werden als mögliche Wissensform genannt. |
7.3 Bewusstsein |
Beschäftigte müssen sich unter anderem ihrer Rolle für die Wirksamkeit des QMS bewusst sein. |
Das Bewusstsein für die Qualitätskultur und ethisches Verhalten wird ausdrücklich ergänzt und auf Beschäftigte unter Aufsicht der Organisation bezogen. |
8.2.1 Kommunikation mit Kunden |
Anforderungen an die Kundenkommunikation und die Kommunikation bei Notfällen festlegen. |
Bei Notfallmaßnahmen kommt eine ausdrückliche Informationspflicht gegenüber Kunden hinzu. Auch Störungen bei bereitgestellten Produkten und Dienstleistungen werden berücksichtigt. |
8.3 Entwicklung |
Anforderungen an Entwicklungsplanung, -eingaben, -steuerung und -ergebnisse. |
Der iterative Charakter von Entwicklungsprozessen wird verdeutlicht. Relevante interessierte Parteien werden stärker einbezogen; produktbegleitende Informationen werden bei den Entwicklungsergebnissen ausdrücklich genannt. |
9.1 Überwachung, Messung, Analyse und Bewertung |
Kundenzufriedenheit überwachen und Daten analysieren und bewerten. |
Die Analyse und Bewertung der Wirksamkeit von Maßnahmen zu Risiken und Chancen wird getrennt behandelt. Beschwerden und soziale Medien werden als mögliche Informationsquellen zur Kundenzufriedenheit genannt. |
9.2 Internes Audit |
Auditkriterien und Auditumfang für einzelne Audits festlegen. |
Für jedes einzelne Audit müssen ausdrücklich auch konkrete Auditziele festgelegt werden. |
9.3 Managementbewertung |
Relevante Eingaben und Ergebnisse der Managementbewertung berücksichtigen. |
Bedürfnisse und Erwartungen interessierter Parteien werden als eigener Inhalt aufgenommen. Risiken und Chancen werden getrennt betrachtet. |
10 Verbesserung |
Fortlaufende Verbesserung des QMS; eigener Abschnitt 10.3 zur fortlaufenden Verbesserung. |
Die Verbesserung von Prozessen wird ausdrücklich hervorgehoben. Die fortlaufende Verbesserung wird in Abschnitt 10.1 integriert und stärker mit den Ergebnissen von Überwachung, Analyse und Managementbewertung verknüpft. |
Zusätzlich wurden die Anforderungen an dokumentierte Informationen sprachlich und strukturell vereinheitlicht. Der informative Anhang A wurde überarbeitet und erweitert, um die Auslegung der Anforderungen zu erleichtern. Auch die Terminologie wurde angepasst: So wird beispielsweise „dieser Internationale Standard“ durch „dieses Dokument“ ersetzt.
Jetzt schon vorbereiten
Sie möchten sich intensiver mit der Revision beschäftigen und erfahren, wie sich die neuen Anforderungen in der Praxis umsetzen lassen? Dann melden Sie sich zu einem unserer Webinare an: „Die neue ISO 9001 – Umsetzung in der Praxis“ oder zum kostenlosen Webinar „ISO 9001:2026 – Qualitätskultur und ethisches Verhalten wirksam verankern“ am 26.11.2026.
ISO 9001:2026 |
0.5 Tag | 09:00–13:00 Uhr |
Sie haben Fragen zum Qualitätsmanagement nach ISO 9001? Melden Sie sich gerne bei Lea Graf oder Amelie Mandel.